Die Kinesiologie

Die Kinesiologie findet sich mit ihrer Relevanz wohl auf sehr sandigem Untergrund. Den Naturheilverfahren kann sie wohl nicht zugeordnet werden, obwohl ihre Leitlinie in gewisser Weise durchaus ganzheitlich ist, auch der Begriff alternative Medizin ist nicht genau zutreffend.

Der Begriff Kinesiologie beschreibt grundsätzlich ein Diagnoseverfahren, das auf der Erkenntnis basiert, dass Muskelspannung beziehungsweise Muskelentspannung Instrumente seien, um Affinitäten des Probanden bestimmten Substanzen, Informationen, Emotionen und Therapien gegenüber mehr oder minder eindeutig festzustellen. Die Theorie zu diesem Verfahren geht hauptsächlich auf den Chiropraktiker George Goodheart zurück, doch auch Kollegen wie John Thie, John Diamond, Dennison und Klinghardt nahmen Einfluss auf die kontroverse Struktur der, nach vielen Meinungen, esoterischen, nicht wissenschaftlichen Lehre, also Pseudowissenschaft. In der Kinesiologie finden sich Begrifflichkeiten zum Beispiel aus der Lehre der Lymphabflussstimulation, der Durchblutungsstimulation, der Meridianlehre aus der chinesischen Medizin als auch Vorstellungen aus der orthomolekularen Medizin sowie Erklärungen aus der Lehre der Schädel-Kreuzbein-Therapie.

Die Kinesiologie ist ein ausgeprägtes Beispiel für die differenzierten Ansichten über den Begriff Pseudowissenschaften. Während auf der einen Seite die Skeptiker der Ansicht sind, ein „Schubladendenken“, das jede alternative Heilmethode unter dem Begriff Pseudowissenschaft ablege, sei lediglich monopolistisch profitorientiert, vertrete politische Interessen, weisen seriöse Wissenschaftler und Anhänger der Evidenzwissenschaften auf die absolut unzureichende, nicht vorhandene und nicht beweisbare Wirkungs- und Diagnosestruktur der Lehre hin. So sei die Kinesiologie ohne Zweifel zu unterscheiden von Alternativmedizinen wie der traditionellen chinesischen Medizin oder dem indischen Ayurveda. Schon in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigte sich der österreichisch-britische Philosoph Karl Popper mit diesem Problem. Er sah ein Abgrenzungsproblem zwischen den empirisch- wissenschaftlichen und den mythologischen, unbewiesenen also pseudowissenschaftlichen Aussagen.

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